Feigenblatt Inklusion


In letzter Zeit findet man immer wieder ein Wort, das in der Presse und Öffentlichkeit vermehrt die Runde macht: Inklusion (nicht zu verwechseln mit Integration!). Inklusion (wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, Einbeziehung) heißt, dass jeder Mensch – mit und ohne Behinderung – überall dabei sein kann. Das bedeutet dann zum Beispiel auch den Abbau von Hürden in der Umwelt, damit diese für alle zugänglich wird, aber auch den Abbau von Barrieren in den Köpfen.

Inklusion spiegelt sich nicht in irgendwelchen Projekten wieder, sondern wird im Alltag gelebt.

Inklusion ist nicht zeitlich begrenzt.

Oft wird Inklusion in öffentlichkeitswirksame Projekte gepackt, wie zum Beispiel Stadterkundungen, Gebäudebegehungen, Veranstaltungen und Begegnungen behinderter und nichtbehinderter Menschen usw. Stolz werden diese Projekte als gelebte Inklusion dargestellt. Das alles ist vielleicht gut gemeint, aber noch lange nicht gut gemacht und hat mit gelebter Inklusion nicht viel zu tun, sondern hat eher eine Feigenblattfunktion. Ein paar behinderte Menschen im Rollstuhl über einen Marktplatz zu schieben ist keine Inklusion.
Derartige Projekte ermöglichen es griffig nach außen zu transportieren, dass man sich um Inklusion kümmert. Es lässt sich leicht in Artikeln mit werbewirksamen Bildern darstellen, dass man etwas tut. Unter dem Banner Inklusion und Barrierefreiheit versammeln sich dann sehr gerne Politiker, Gutmenschen und Gutmeiner, um in das richtige Licht gesetzt zu werden. Was ist aber bei einem Blick hinter die Kulissen?

  • Wie barrierefrei ist die Internetpräsenz des Unternehmens, der Institution, der Einrichtung oder der Kommune?
  • Wie leicht komme ich als behinderter Mensch an für mich wichtige Informationen?
  • Wie viele behinderte Menschen sind dort beschäftigt?
  • Wie viele Behindertenbeauftragte oder Menschen in verantwortlichen Positionen haben selbst eine Behinderung?
  • Wie leicht, zeitnah und in welcher Höhe werden erforderliche Mittel bereitgestellt?

Gerade wenn es um die Finanzen geht merkt man, wie ernst es mit der Inklusion gemeint ist. Oder ist ein neues Kunstwerk wieder einmal wichtiger als ein barrierefreier Zugang oder ein behindertengerechter Arbeitsplatz?
Viel zu leicht werden vollmundige Versprechen über finanzielle Mittel oder Aktivitäten abgegeben, die dann nicht eingehalten werden. Oder man geht den eleganteren Weg und sucht sich für die Übernahme von Verantwortung andere karitative Einrichtungen oder ehrenamtlich Tätige.
Es kommt also darauf an sich nicht mit irgendwelchen Alibiaktionen hinter dem Feigenblatt Inklusion zu verstecken, sondern durch Vorbild zu führen und damit zu zeigen, dass Inklusion nicht im Mund stattfindet sondern zwischen den Ohren.

Nur so wird man es schaffen Inklusion auf eine breite Basis zu stellen und eine größtmögliche Akzeptanz zu erhalten.