Osteuropäische Haushaltshilfe „Helfer-Logbuch“

Die „Highlights“ meiner Betreuer seit Mai 2014. Das Ganze stellt nur einen kurzen Abriss und die Spitze des Eisbergs dar.

Betreuer Da (38, Polen)
Wir waren seine erste Pflegestelle und er unser erster Betreuer. Anstatt uns einen Betreuer mit gewisser Erfahrung zu schicken bekamen wir jemanden ohne Pflegeerfahrung. Weiterhin sprach er noch sehr schlecht Deutsch, war aber bemüht zu lernen (sowohl Tätigkeit als auch Sprache). Man darf nicht vergessen, dass für meine Familie die Pflegesituation zu Hause auch vollkommen neu war und sich alles erst einspielen musste. Wir haben sozusagen selbst gelernt (Learning by Doing) und dabei auch noch den Betreuer angelernt. Da die Tätigkeit nicht das war, was der Betreuer sich vorgestellt hatte und er für uns nicht wirklich eine Hilfe war, trennten sich unsere Wege nach acht Wochen. (Er beendete auch seine Tätigkeit bei der Agentur). Im Anschluss daran erhielten wir von der Agentur den

Betreuer Mar (27, Polen)
Getreu dem Motto „Schlimmer geht immer“ kam Betreuer Nummer zwei. Die Kenntnisse im Bereich der Pflege (Lagerung, Mobilisierung, usw.) waren bescheiden und auch er musste von uns erst angelernt werden. Die Hauptaufgabe dieses Pflegers bestand darin sich so bald und so schnell wie möglich in sein Pflegezimmer zu verdrücken und dann dort stundenlang mit seiner Mutter zu telefonieren, die ebenfalls eine Pflegestelle in Deutschland betreute (bei der gleichen Agentur aus Polen). Als er uns nach zwei Wochen beschuldigte, wir würden ihn verfolgen und in seinem Zimmer „ablauschen“, war für uns die Zusammenarbeit mit diesem Betreuer ebenfalls beendet. Dazu kam noch, dass er Probleme hatte unter Menschen zu gehen und uns zu Veranstaltungen zu begleiten (Aussage: er fühlt sich unter Deutschen nicht wohl). Wie passend ist da eine Pflegestelle in Deutschland. Leider dauerte es noch zehn Tage bis die Agentur uns einen neuen Betreuer schickte. Es kam

Betreuer Ad (49, Rumänien)
Wie bei den anderen beiden Betreuern vorher dieselbe Ausgangslage: anlernen. Dieser Betreuer war aber wenigstens bemüht und mit ihm passte auch die menschliche Basis, wenngleich Sauberkeit und Hygiene nicht gerade seine Stärken waren. Mittels rumänischer Dolmetscher aus unserem Bekanntenkreis und einiger „Krisensitzungen“ rauften wir uns mit ihm zusammen. Im Laufe der Zeit eignete er sich auch eine Routine an und wusste was zu tun war. Es funktionierte dann immerhin so gut, dass er bis kurz vor Weihnachten, also insgesamt mehr als vier Monate, geblieben ist und zu unseren ersten Stammbetreuer wurde. Zur Überbrückung von Weihnachten und Silvester erhielten wir dann für zwei Monate unseren

Betreuer Sor (32, Rumänien)
Kaum zu glauben, es gab ihn wirklich: den Betreuer, wie wir ihn uns vorgestellt hatten. Er sprach gut Deutsch, wusste was zu tun war, nach einer kurzen Pflegeeinweisung hatte er den Ablauf im Griff, sah auch selbstständig fällige Arbeiten, war zuverlässig und engagiert, einfühlsam und diskret – kurz: ein Volltreffer! Kein Wunder, denn er hat in seiner Heimat Pflegeberuf gelernt und war selbst auch kurze Zeit in der Situation eines Pflegebedürftigen. Doch jetzt kommt das große aber: er hatte andere Zukunftspläne (Familie, Beruf) und fühlte sich für seine Qualifikation bei der Agentur unterbezahlt. So endete leider auch dieses Engagement nach zwei Monaten. (Er ging dann zurück nach Rumänien, absolvierte dort einen Sprachkurs und ging dann nach Deutschland zurück in ein Pflegeheim als fest angestellter Pfleger). Wie aber vorher schon geplant wurde er dann wieder abgelöst von unserem

Betreuer Ad
Bei ihm wussten wir, was uns erwartet und was auf uns zukommt. Nachdem zwischenzeitlich der Betreuer Sor aber vorgelegt hatte, hatte er einen schwereren Stand. Wir waren etwas verwöhnt worden (was eigentlich Standard sein sollte) und er war nach dem Heimaturlaub etwas geknickt und so kam es, dass wir uns nach zwei Monaten entschlossen einen neuen Betreuer zu probieren. Wir benötigten ja außerdem noch einen zweiten Stammbetreuer, mit dem er sich in Zukunft abwechseln sollte. Also erhielten wir von der Agentur den neuen

Betreuer Mir (52, Polen)
„Lächle, denn es könnte schlimmer kommen. Ich lächelte – und es kam schlimmer“. Bereits am ersten Tag zeigte sich, dass der Betreuer mit seinen Aufgaben vollkommen überfordert sein sollte. Alleine die Verrichtung einfacher hauswirtschaftlicher Tätigkeiten brachte ihn an seine Leistungsgrenzen. Bei meiner Essensgabe kam er so durcheinander, dass er sich zwischendurch etwas von meinem Teller selbst in den Mund steckte. Dabei handelte es sich aber nicht um ein 5-Gänge-Menü sondern ein belegtes Brot! Die Kommunikation beschränkte sich auf Stereotypen, die er sich scheinbar angelernt hatte. (Beispiel: „Mir muss arbeiten. Keine Arbeit kein Essen.“ Das Highlight dieser Satz Folge war dann: „Arbeit macht frei.“) Er sprach von sich grundsätzlich in der dritten Person und Begriffe wie Hand, Schulter oder Oberarm waren ihm vollkommen unbekannt. Macht nichts, ist für die Pflege ja nicht notwendig. (Ironie!) Dafür war Betreuer Mir bei kurzen Spaziergängen hauptsächlich damit beschäftigt eins zu werden mit der Natur, den Bäumen und Sträuchern. Nachdem ich und meine Familie trotz geduldiger Bemühungen innerhalb von 14 Tagen mit den Nerven vollkommen am Ende waren, schickten wir einen Hilferuf nach Rumänien zu unserem

Betreuer Ad
Dieser konnte sich Gott sei Dank, obwohl er zu Hause etwas zu erledigen hatte, loseisen und war dann zehn Tage nach dem Hilferuf und nach Absprache mit der Agentur wieder bei uns. Uns fiel im wahrsten Sinne des Wortes ein großer Stein vom Herzen, alles hatte schnell wieder seine Routine und es lief wieder wie gewohnt. Über die kleinen Unzulänglichkeiten sahen wir dabei gerne hinweg. Unser Betreuer Ad blieb dann von Anfang Juni bis Mitte August 2015. Da wir immer noch keinen zweiten Stammbetreuer hatten entschieden wir uns einen neuen Versuch zu starten und erhielten daraufhin von der Agentur den

Betreuer Wern (58, Ungarn/Rumänien)
Nach der üblichen Lernphase am Anfang, die wir mittlerweile schon routiniert hinter uns gebracht haben, klappte es mit diesem Betreuer recht gut. Er war engagiert, die hauswirtschaftliche Versorgung machte ihm Spaß und auch die Kommunikation klappte prima. Er begleitete mich auf Veranstaltungen und auch die zwischenmenschliche Basis war gut. Betreuer Wern kam von sich aus auf uns zu und fragte uns, ob er wiederkommen dürfte, weil es ihm bei uns so gut gefällt. Dies sah alles danach aus, als ob wir den zweiten Stammpfleger gefunden hätten, der sich bei meiner Betreuung mit Betreuer Ad abwechselt. Deshalb sollte Betreuer Wern auch auf eigenen Wunsch hin über Weihnachten und Silvester 2015 wieder zu uns kommen. Wir wechselten daraufhin Mitte Oktober wieder mit

Betreuer Ad
Der Wechsel Mitte Dezember zurück zu Betreuer Wern wurde mit allen Beteiligten einvernehmlich abgesprochen. Die Zeit mit Betreuer Ad verlief ohne Zwischenfälle, gewohnt routiniert und eingespielt. So wie es eben sein sollte. Der Zeitpunkt des Wechsels rückte näher, Betreuer Ad freute sich schon auf das Weihnachtsfest und Silvester mit seiner Familie, als uns von der Agentur die Mitteilung erreichte, dass Betreuer Wern aus „privaten Gründen“ zum Wechselzeitpunkt nicht zur Verfügung steht. Bumm – schon fiel unser schönes Betreuer-Kartenhaus in sich zusammen. Jetzt galt es einen neuen Betreuer zu finden, der kurzfristig einspringt, über Weihnachten und Silvester wie geplant Betreuer Ad ersetzt und auch noch den Aufgaben gerecht wird. Nach intensiven Bemühungen seitens der Agentur erhielten wir den Personalvorschlag

Betreuer Rom (40, Ungarn/Rumänien)
Nach Angaben der Agentur und dem Profil ein einfühlsamer Betreuer, Nichtraucher, mit ausreichender Qualifikation und umfangreichen Erfahrungen. Dieser könnte die Zeit bis Mitte Januar (also bis zur Rückkehr von Betreuer Ad) gut überbrücken. Die Einarbeitungszeit war ziemlich kurz für ihn, er lernte aber schnell die notwendigen Tätigkeiten selbstständig durchzuführen. Wie sich aber herausstellen sollte, hatte er erhebliche Defizite im menschlichen/zwischenmenschlichen und psychischen Bereich. Bis vor sechs Monaten war er (nach eigenen Angaben) starker Alkoholiker, an dessen Alkoholsucht sein Privatleben zerbrach. Vermutlich hatte er aus diesem Grund auch keinen Führerschein mehr. Er sagte von sich, dass er psychisch am Ende sei oder wie er es selbst formulierte: „Mein Spirit ist total am Boden, null, gar nichts“. Ich war damit beschäftigt ihn psychologisch zu betreuen und aufzubauen, damit er seine Arbeit durchführen konnte. Seine einfühlsame Art äußerte sich darin, dass er vor jedem Kontakt mit mir Einweghandschuhe anzog. Der Nichtraucher stellte sich übrigens als intensiver Raucher heraus, dem seine Zigarettenpause wichtiger als die Arbeit war. Bis zum Schluss hatte er es auch nicht verstanden, dass er seine Tätigkeit in einem Haushalt mit einer Familie ausübt. So versuchte er seine Arbeit auf mich zu beschränken, war aber in vielen Bereichen auf die Mithilfe und Unterstützung meiner Familie angewiesen. Das führte zwangsläufig zu Reibereien und unnützem Stress. Lediglich die Aussicht auf den baldigen Wechsel ließ uns diese Zeit überstehen. Seit Mitte Januar arbeiten wir wieder mit unserem

Betreuer Ad

Bei unserem Betreuer Ad wussten wir wenigstens, was wir an ihm haben und was auf uns zukommt. Alleine sein Erscheinen hat zur Entspannung der Situation und der Stimmung erheblich beigetragen. Wobei die Gesamtsituation sich insgesamt verschärft hat. Meine Frau hatte mir zum Jahreswechsel mitgeteilt, dass sie aus unserem gemeinsamen Haus ausziehen wird. Da auch meine Tochter geplant hatte sich mit ihrem langjährigen Freund eine eigene Wohnung zu leben lief nun alles darauf hinaus, dass ich mit diesem Betreuer über kurz oder lang (wohl eher über kurz) alleine sein würde. Tolle Aussichten. Und so kam es, dass ich ab Anfang April mit meinem Betreuer als 2-Männer-WG unterwegs war. Das bedeutete dann auch, dass künftig alle hauswirtschaftlichen Tätigkeiten von dem Helfer übernommen werden mussten. Deshalb war unsere Hauptaufgabe, dass wir das ganze System erst einmal zum Laufen bringen mussten. Die Rahmenbedingungen hierfür waren natürlich denkbar „günstig“. Ein ab dem Hals querschnittsgelähmter Rollstuhlfahrer und dazu ein rumänischer Helfer, bei dem Kochen, Sauberkeit, Fleiß und Eigeninitiative nicht gerade zu den Stärken zählten. Aber immerhin ist es uns gelungen auch hier eine gewisse Routine zu erarbeiten, damit es funktioniert hat. Natürlich musste an vielen Stellen sehr oft mehr als ein Auge zugedrückt werden. Denn schließlich war für Ende April der nächste Helferwechsel schon avisiert, der dann mit einer verlängerten Übergabezeit von vier Tagen stattfand. Ich war gespannt, wie es funktionieren würde mit meinem neuen

Helfer Ion

Da ich nicht wusste, ob und wie es mit dem neuen Helfer funktioniert, wurde von vorneherein nur eine Bleibedauer von sechs Wochen vereinbart. Allerdings stellte sich bald heraus, dass meine Befürchtungen im Großen und Ganzen unbegründet waren. Der neue Helfer lernte schnell dazu, war fleißig und sehr bemüht und sprach auch ziemlich gut Deutsch. Zudem arbeitete er sauber, sowohl bei mir als auch im Haushalt. Natürlich konnte er noch nicht die gleiche Routine haben, die mein Helfer Ad während seiner mehrmaligen Aufenthalte bei uns erworben hatte, aber die Voraussetzungen waren schon einmal gut. Die sechs Wochen mit ihm waren deshalb keinerlei Problem und so vereinbarten wir, dass er sich künftig mit meinem anderen Helfer Ad abwechseln wird.

So wie es im Moment aussieht scheine ich wirklich zwei Helfer gefunden zu haben, die sich bei mir in regelmäßigen Abständen abwechselnd werden. Mein Ziel ist es, dass dieser Wechsel dann im Rhythmus von acht Wochen stattfinden wird, da ich gemerkt habe, dass dies der Zeitraum ist, der für alle Beteiligten am erträglichen ist ohne sich über Maß auf die Nerven zu gehen. So ist der Plan. Aber wie ich ja schon selbst am eigenen Leib oft genug erfahren musste: der Mensch denkt, Gott lenkt. Das bedeutet:

Es bleibt spannend!!

Helfer Ad und Helfer Ion

Nachdem sich in meiner privaten Situation Entscheidendes geändert hat (ich liebe mittlerweile mit meinem Helfer alleine), ist natürlich auch die Abhängigkeit von meinen Helfern größer geworden. Das hat dazu geführt, dass ich mich mit den Gegebenheiten arrangieren und die eine oder andere Kröte schlucken musste. Meine beiden Helfer Ad und Ion wechseln sich mittlerweile im Rhythmus von 2-3 Monaten ab. Jeder von den beiden hat seine Stärken und Schwächen, die mir aber bekannt sind und mit denen ich leben kann – und auch muss. Wie so oft ist es immer eine Frage der Alternativen. Natürlich gäbe es sicher den einen oder anderen Helfer, der noch besser wäre. Aber diesen zu finden würde bedeuten neue Versuche mit unbekannten Helfern einzugehen (aus den zurückliegenden Erfahrungen eine nicht besonders reizvolle Aufgabe) und es wurde auch die Gefahr bedeuten einen der bestehenden Helfer zu verlieren, weil sie sich vielleicht nach einer anderen Stelle umsehen. Da handle ich dann lieber nach dem Motto aus der Computerbranche: „Never Change A Running System“. Es können früh genug Umstände eintreten, die meine Konstruktion wieder zum wackeln bringen. Aber dann werde ich mich darum kümmern, wenn es soweit ist und bis dahin gilt:

die Show muss weitergehen!