Am Leben teilhaben und teilnehmen

Für mich als Behinderten stellt sich neben meiner Behinderung eine große Frage:

In welchem Maß kann ich am normalen Leben noch teilhaben?

Oder um es auf den Punkt zu bringen:


Wie willkommen bin ich als behinderter Mensch?

Vor allem als aktiver Behinderter, der noch gerne nach außen gehen, Veranstaltungen besuchen, seinen Alltag so weit wie möglich selbstständig gestalten, seine sozialen Kontakte weiterhin pflegen, also ein „normales“ Leben führen möchte, stößt man sehr oft und sehr schnell an Hindernisse und Grenzen.
Dies entsteht in den meisten Fällen nicht einmal aus bösem Willen der Umwelt, sondern vielmehr aus Unverständnis und daraus, dass man sich nicht in die Lage und Situation eines behinderten Menschen hineinversetzen kann. (Das wird auch niemals gelingen, so sehr man es auch versuchen wird.) Oder welcher Fußgänger hat sich schon in einen Rollstuhl gesetzt und versucht damit einkaufen zu fahren, ein Lokal oder eine Veranstaltung zu besuchen, nur um einmal diese Perspektive eines Rollstuhlfahrers einzunehmen.

Bei manchen Aktivitäten hat man von vorneherein schon verloren, weil es keine Möglichkeit gibt als Behinderter daran teilzunehmen. So gibt es beispielsweise immer noch Kultureinrichtungen, die mit einem Rollstuhl grundsätzlich nicht zu erreichen sind. O. k., man könnte dann sagen, dass hier wenigstens klare Verhältnisse herrschen und man von vorneherein weiß woran man ist. Das ist aber ein schwacher Trost.
Oder man macht es dem Behinderten so schwer an Informationen usw. zu kommen, dass er die Lust verliert die Aktivität durchzuführen. Dann hat man diese Probleme auch erledigt.

Solange es sich dabei um „Luxus“ wie zum Beispiel kulturelle Veranstaltungen handelt, kann man als Behinderter damit gezwungenermaßen noch leben. Aber es gibt noch genügend Ämter und Behörden, die keinen behindertengerechten Zugang haben. Bezeichnenderweise sind auch deren Internetauftritte ebenfalls nicht barrierefrei und es lassen sich nicht alle Aufgaben online erledigen.

Wie schwer oder leicht wird es mir gemacht am Leben teilzuhaben?

  • Wie leicht erhalte ich Informationen über Orte, Veranstaltungen, Gegebenheiten usw. (Homepage, Telefonnummern, Kontaktpersonen)?
  • Wie zuverlässig und vertrauenswürdig sind diese Informationen (Einschätzung der Barrierefreiheit, Behindertenplätze, Behindertentoilette)?
  • Wie einfach ist es daran teilzunehmen (Reservierung, Kartenvorverkauf, Kartenbestellung, Bezahlung)?
  • Welche Hilfen gibt es vor Ort (Parkplätze, Beschilderung, Hilfspersonal)?

Leider wird die Teilhabe zu oft auf Barrierefreiheit reduziert, dabei ist sie lediglich ein Teilbereich.

Gott sei Dank gibt es vor Ort sehr oft freundliche und engagierte Helfer, die versuchen vieles möglich zu machen. Aber sehr oft stoßen diese auch an ihre Grenzen, weil bauliche, rechtliche und organisatorische Grenzen gesetzt sind. Eine Stufe oder zu schmale Tür zu einem Veranstaltungsraum lässt sich eben nicht weglächeln oder mit ein paar Handgriffen beseitigen.